Johann Georg Walch

Johann Georg Walch, lutherischer Theologe, † 1775, der Vater von Christian Wilhelm Franz W. und Johann Ernst Immanuel W. Als mild lutherischer Dogmatiker und gelehrter Herausgeber der Halleschen Ausgabe der Werke Luther’s steht Johann Georg W. noch jetzt in so hohem Ansehen unter den Theologen, daß die amerikanischen Lutheraner sich entschlossen haben, die 24 Quartbände seiner Lutherausgabe noch einmal drucken zu lassen.

Er wurde 1693 am 17. Juni zu Meiningen geboren, wo sein Vater Georg W. Generalsuperintendent war. Nach vortrefflicher Vorbildung auf der dortigen Stadtschule bezog der Jüngling im J. 1710 die Universität Leipzig, wo damals Rechenberg, Siber und Gottfried Olearius wirkten. Neben der Theologie zogen ihn die alten Sprachen, die Philosophie und Geschichte an. Nachdem er 1713 zum Magister promovirt war, veröffentlichte er 1716 eine bald viel gebrauchte ›Historia critica latinae linguae‹. Von 1718 gehörte er der Universität Jena an; in diesem Jahre war er dort außerordentlicher Professor der Philosophie und der Alterthümer geworden, bereits im Jahre darauf stieg er zum ordentlichen Professor der Beredsamkeit auf. wurde 1721 Professor der Dichtkunst, beschäftigte sich dann auch auf Buddeus’ Antrieb mit theologischen Arbeiten, erhielt 1724 eine außerordentliche und 1728 eine ordentliche Professur der Theologie, nachdem er 1726 als Doctor der Theologie promovirt hatte. Im J. 1730 wurde er Secundarius, 1750 Primarius der Jenenser theologischen Facultät und blieb das bis an seinen Tod am 13. Januar 1775. Er starb im 81. Lebensjahre.

Seine Vorlesungen hatten sich über die gesammte systematische und historische Theologie, dazu auf Katechetik erstreckt; auch führte ihn sein Beruf regelmäßig auf die Kanzel; aber sowol in seinen Vorträgen wie in seinen Predigten war er bemüht, nie bloße Orthodoxie zu lehren, sondern die Dogmen in ihrer Beziehung auf die Moral auseinanderzusetzen, darzuthun, welchen Einfluß die Glaubenslehre auf das thätige Christenthum haben solle. Gerade darin zeigt sich der durch Buddeus vermittelte Einfluß des Pietismus auf die Vertreter der Rechtgläubigkeit. W. war ein entschiedener Anhänger der Orthodoxie, aber ein warmherziger, und das macht, daß seine Schriften noch jetzt nicht bloß Stoff für todte Gelehrsamkeit bilden. [...] Mit rastlosem Eifer, ausgezeichneter Arbeitskraft und vorzüglichem Urtheil hat W. nicht bloß seinen Vorlesungen, sondern auch der Pflege der Wissenschaft obgelegen, wovon seine zahlreichen litterarischen Arbeiten Zeugniß ablegen. Noch heute werden aus der fast unübersehbaren Menge derselben die beiden Einleitungen in die Religionsstreitigkeiten (innerhalb und außerhalb der lutherischen Kirche) viel gebraucht und seine Lutherausgabe wird trotz der Erlanger, Weimarer und Braunschweiger für die Reformationsgeschichte werthvoll bleiben. […]

Werke von oder mit Johann Georg Walch:


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Johann Georg Walch: Historische und Theologische Einleitung in die Religions-Streitigkeiten außer der Evangelisch-Lutherischen Kirche

Jena 1733–1736 (Band 1: 3. Aufl.). Faksimilie-Neudruck 1972–1985 (Band 1 und 2/1972; Band 3, Teil 1-2 bis Band 5, Teil 1-2/1985).

Mit einem Nachwort von Dietrich Blaufuss.
1985
5 in 8 Bänden
5549 S.
Leinen
ISBN 978-3-7728-0288-1
Lieferbar
€ 698,–

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