Johann Heinrich Abicht

Philosoph, geb. zu Volkstedt bei Rudolstadt 4. Mai 1762, † zu Wilna 28. April 1816. Sein Großvater, aus dem Geschlecht der A. von Wilmersdorf (Amt Gehren), war Schullehrer und Organist zu Angelrode, sein Vater Schullehrer zu Volkstedt. Zu Rudolstadt auf dem Gymnasium vorbereitet, bezog er 1781 die Universität Erlangen, trat 1784 als Hofmeister in das Haus des Oehringenschen Oberstallmeisters v. Schall, ward 1786 zu Erlangen Magister und 1790 Doctor der Philosophie, 1790 Adjunct und gleich darauf außerord. Professor der philosophischen Facultät, 1796 ordentlicher Professor. Am 4. Aug. (a. St.) 1804 ward er an der so eben neuorganisirten Universität zu Wilna als ordentlicher Professor der Logik und Metaphysik angestellt. Ein genaues Verzeichniß seiner sehr zahlreichen philosophischen Schriften gibt Meusel’s G. T. Seiner Grundanschauung nach war er Kantianer, wie gleich seine 1788 erschienene erste Schrift »De philosophiae Kantianae ad theologiam habitu«, sein »Versuch einer Metaphysik des Vergnügens nach Kantischen Grundsätzen zur Grundlegung einer systemat. Thelematologie und Moral« (1789), seine »Philosophie der Erkenntnisse« (1791) u. A. zeigt. Gegen Aenesidemos schrieb er den »Hermias, oder Auflösung der die gültige Elementarphilosophie betreffenden Aenesidemischen Zweifel« (1794). Mit F. G. Born in Leipzig redigirte er 1789—90 das »Neue philos. Magazin zur Erläuterung und Anwendung des Kantischen Systems«. Im Verein mit Mehreren ließ er das »Philos. Journal«, 4 Bände (1794—95) erscheinen. — In späterer Zeit neigte er sich mehr auf Reinhold’s Seite.

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