Luis de Molina

Aufgrund seines Hauptwerkes ›Concordia‹, dessen vollständiger Titel ›Liberi arbitrii cum gratiae donis, divina prae scientia, providentia, praedestinatione et reprobatione concordia‹ lautet, kann der spanische Jesuit Luis de Molina (1535–1600) als »enfant terrible« unter den Autoren der Schule von Salamanca bezeichnet werden. Sein Versuch, durch das Konzept der »scientia media« die göttliche Vorsehung und menschliche Willensfreiheit miteinander zu vereinen und damit ein altes Streitthema versöhnlich zu beenden, entfachte den sogenannten Gnadenstreit, der vor allem zwischen Jesuiten und Dominikanern zu heftigen Auseinandersetzungen über das Verhältnis vongöttlicher Gnade und menschlicher Freiheit führte. Auch mit seinem voluminösen rechtstheoretischen Werk ›De iustitia et iure‹ handelte er sich Probleme ein. Indem er sich für die Erlaubnis von Empfängnisverhütung oder Prostitution aussprach und die Restitutionspflicht für Ehebruch und schadloses Unrecht forderte, überforderte Molina die moraltheologische Toleranz seiner Kritiker in erheblichem Maße.

Dennoch ist über Molinas Leben wenig bekannt. Im Jahre 1535 wurde er im spanischen Cuenca geboren. Mit 18 Jahren trat er der Gesellschaft Jesu (Societas Jesu) bei. Nach dem Studium der Rechtswissenschaft, Philosophie und Theologie in Salamanca, Alcála de Henares und Coimbra lehrte er von 1568 bis 1583 Theologie in Évora. Zwischen 1584 und 1586 wechselte Molina vom Kolleg in Évora zum Professhaus São Roque nach Lissabon, wo die Concordia 1588 veröffentlicht wurde. Ab 1591 wurde er dem Jesuitenkolleg seiner Heimatstadt Cuenca zugewiesen, wo 1592 die ›Commentaria in Primam Divi Thomae Partem‹, 1593 der erste Band von ›De iustitiaet iure‹, 1597 deren zweiter Band und 1600 die erste Hälfte des dritten Bandes veröffentlicht wurden. Die Publikationen des »restlichen« dritten und vierten bis sechsten Bandes von ›De iustitia et iure‹ in Antwerpen im Jahre 1609 erlebte Molina nicht mehr, denn er verstarb 1600 in Madrid.

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