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Immanuel Kant: Neue Reflexionen. Die frühen Notate zu Baumgartens ›Metaphysica‹

FMDA I,5
Ca. 656 S., 17,7 x 24,5 cm.
Leinen
Deutsch
ISBN 978-3-7728-2844-7
Juni 2019

Kants sogenannte Reflexionen sind die entscheidenden Dokumente zur Rekonstruktion der Entwicklungsgeschichte seiner Philosophie. Das gilt ganz besonders für diejenigen Reflexionen, die Kant sich in seinem Metaphysikkompendium, A. G. Baumgartens ›Metaphysica‹, notiert hat: Kein anderes Werk hat Kant in seinem philosophischen Leben so lang begleitet und sein eigenes metaphysisches Denken derart geprägt. Die Akademie-Ausgabe von Kants Schriften ediert in den Bänden XV, XVII und XVIII die Notate aus Kants Handexemplar der vierten Auflage der ›Metaphysica‹ (1757). Es ist zwar bekannt, dass Kant auch ein Exemplar der dritten Auflage (1750) besaß und annotiert hatte. Der Kant-Forschung war dieses Handexemplar jedoch bisher nicht zugänglich. Es wurde erst im Jahre 2000 entdeckt.

Die vorliegende Edition präsentiert diesen spektakulären Fund nun erstmals mit ausführlicher Einleitung, Sacherläuterungen und Registern. Kant hat die Notate zur Vorbereitung auf das Metaphysik-Kolleg angefertigt, das er für das Sommersemester 1756 angekündigt hatte. Sie geben einen einmaligen Einblick in seine literarischen, historischen und philosophischen Interessen in der Zeit zu Beginn seiner akademischen Laufbahn, weit über das hinausgehend, was bisher bekannt war. Kant widmet sich bereits zu dieser frühen Zeit intensiv den Problemen des Weltbegriffs, die später in der Antinomie der reinen Vernunft behandelt werden. Er zeigt ein auffallendes Interesse für die empirische Psychologie: Kant wird durch Baumgarten auf hohem philosophischem Reflexionsniveau mit dem Menschen als einem erkennenden und wollenden Wesen näher vertraut und verschafft sich durch die Auseinandersetzung mit dessen Analysen bereits früh die Voraussetzung dafür, später die Anthropologie als eine selbständige Wissenschaft zu etablieren. Das ontotheologische Argument zum Beweis der Existenz Gottes hat Kant bekanntlich bereits in seiner Habilitationsschrift, der ›Nova dilucidatio‹ (1755), präsentiert, bevor er es dann ins Zentrum der Beweisgrundschrift (1763) stellt. Beide Schriften bringen dieses Argument aber nicht mit dem Namen Baumgartens in Verbindung. Die frühen Notate schließen diese Lücke, indem sich Baumgartens Einfluss auch hier ausdrücklich manifestiert.

© frommann-holzboog Verlag e.K. 2018