Der Verlag

Der Grundstein des Verlages wurde im Jahre 1727 gelegt, als Sigmund Steinbart in Züllichau (heute Sulechów, Polen) eine Waisenhausbuchhandlung mitsamt Druckerei gründete, die von Gottlob Benjamin Frommann geleitet wurde. Bis 1886 blieb das Unternehmen in den Händen der Familie Frommann.

Das Programm, zu Beginn vorwiegend auf pietistische Literatur ausgerichtet, wurde in der zweiten Generation auf die aufkommende rationalistische Theologie ausgeweitet. In der dritten Generation entwickelte sich der Verlag darüber hinaus zu einem bedeutenden Schul- und Sprachwörterbuchverlag. Das Frommann’sche Haus in Jena wurde unter Carl Friedrich Ernst Frommann zum »Vereinigungspunkt vieler Gelehrter und Künstler und sonst angesehener Personen« (Goethe zu Eckermann). Nach Stuttgart kam der Verlag 1886 durch Erich Hauff. Er konzentrierte das Programm auf philosophische und pädagogische Literatur. Unter den Verlegern Hermann Kurtz und Wilhelm Kohlstädt wurde der philosophische Schwerpunkt in der folgenden Zeit weiter ausgebaut. 1943 fielen Verlagshaus und Stuttgarter Verlagsarchiv einem Luftangriff zum Opfer. Der Verlag wurde jedoch weitergeführt und wechselte im Jahre 1955 abermals den Besitzer: Günther und Eva Holzboog nahmen sich des in Trümmern liegenden Frommann Verlages an und führten ihn zu neuer Blüte. Ihr Sohn, Eckhart Holzboog, wurde 1999 mit der Geschäftsführung betraut.

Nach diesem skizzenhaften Blick zurück schauen wir nun in die Zukunft: Das Fundament unseres Verlages bilden nach wie vor die Editionen. Darüber spannt sich ein weiter Horizont von Monographie-Reihen, Nachschlagewerken, Bibliographien, Indizes und Zeitschriften. Unser Programm gruppiert sich um die Schwerpunkte Philosophie, Psychoanalyse und Theologie. Es umfasst zur Zeit mehr als eintausend lieferbare Titel.

Zum doppelten Jubiläum haben sich unter dem Titel ›Wissenschaftsgeschichte zum Anfassen – Von Frommann bis Holzboog‹ zahlreiche Autoren, Herausgeber und Freunde des Hauses zusammengefunden, um sowohl die »ältere« als auch die »jüngere« Geschichte des Verlages zu beleuchten, sowie aktuelle Fragestellungen rund ums wissenschaftliche Buch, mit denen sich ein Verlag heute konfrontiert sieht, aufzugreifen. Darüber hinaus gewähren die Herausgeber unserer Editionen und Reihen konkrete »Einblicke in die Werkstatt«. Dieses Buch ist zugleich eine Festgabe für Günther Holzboog. Der folgende chronologische Abriss der Verlagsgeschichte stammt aus diesem Band. Weitere Auszüge finden Sie unter Downloads.

Chronologischer Abriss der Verlagsgeschichte

1727
Sigmund Steinbart (1677–1739) erhält am 9.11.1726 die Genehmigung, eine Buchdruckerei und einen »Buchladen« zur Unterstützung des von ihm in Züllichau (heute: Sulechów in Polen) gegründeten Waisenhauses zu betreiben; die Leitung übernimmt Gottlob Benjamin Frommann (1702[1704]-1741). Gottlob Benjamin Frommann heiratet Steinbarts Tochter, Dorothea Elisabeth.
1735
Vom preußischen König wird ein General-Privilegium für alle Verlagsbücher erteilt, um die in der Waisenhausbuchhandlung gedruckten und verlegten Bücher vor unerlaubtem Nachdrucken zu schützen. Firmierung: Züllichau. In Verlegung des Waysenhauses bey, Gottlob Benjamin Frommann.
1741
Nach dem Tod von Gottlob Benjamin Frommann bleibt die Stelle des Buchhandlungsleiters ein Jahr lang vakant; die Oberaufsicht übernimmt Johann Christian Steinbart (1702-1767), der Sohn Sigmund Steinbarts.
1742
Johann Jacob Dendeler (gest. 1757), der die Witwe Gottlob Benjamin Frommanns heiratet, übernimmt die Buchhandlung.
1757
Nach seiner Ausbildung als Buchhandelsgehilfe in der Großischen Buchhandlung von Johann Georg Beyer in Leipzig übernimmt Nathanael Sigismund Frommann (1736-1786), der Sohn Gottlob Benjamins, die Buchhandlung; das Verlagsprogramm ist zunächst von pietistischer Erbauungsliteratur geprägt.
1759
Nathanael Sigismund Frommann kauft den Verlag der Großischen Buchhandlung; dadurch erweitert sich das Sortiment u.a. um philologische Werke von Theodor Arnold; Steinbart überlässt Nathanael Sigismund Frommann ein Drittel der »Handlung«. Firmierung: Waysenhaus und Frommannische Buchhandlung.
1756-1763
Während des Siebenjährigen Krieges liegt die Verlagsproduktion weitgehend brach.
1776
Das Privileg zur Errichtung einer Buchhandlung in Freystadt (heute: Kozuchów in Polen) wird erteilt; die Leitung übernimmt Frommanns Bruder, Johann Carl Frommann (1740-1797). Das Verlagsprogramm öffnet sich freimaurerisch-aufklärerischen Schriften; moralphilosophische Schriften von Vertretern mit neologischer Prägung (Johann Gottlieb Töllner) und eudämonistischer Orientierung (Gotthilf Samuel Steinbart) werden verlegt.
1785
Nathanael Sigismund Frommann betreibt die Waisenhausbuchhandlung als alleiniger Besitzer.
1786
Nach dem Tod Nathanael Sigsimund Frommanns übernimmt sein Sohn Carl Friedrich Ernst Frommann (1765-1837), der seine buchhändlerische Ausbildung bei August Mylius in Berlin erhielt, zunächst als »Führer der Handlung«, ab 1794 auf eigene Rechnung die Leitung des Verlags. Firmierung: Nathanael Sigismund Frommanns Erben, später: Züllichau bei Friedrich Frommann. Das Verlagsprogramm wird konsequent im Bereich Theologie und Philosophie ausgebaut sowie durch Schul- und Sprachwörterbücher (z.B. Johann Gottlob Schneider-Saxo, Kritisches Griechisch-Deutsches Handwörterbuch 1797) erweitert.
1798
Übersiedlung nach Jena. Aufgrund von Carl Friedrich Ernst Frommanns Mitgliedschaft im Evergetenbund, einem freimaurerischen Geheimbund, droht die Verfolgung durch die preußischen Behörden; außerdem bietet das Umfeld von Weimar und Jena als geistiges Zentrum günstigere Bedingungen für Buchhandel und Buchdruck als Züllichau; das Sortiment wurde bereits 1796 an Carl Darnmann verkauft. Über die Ausrichtung der Verlagsproduktion schreibt Goethe an Herzog Carl August (1798): »Die Richtung der Frommannischen Speculation geht nach einer anderen Seite, Predigtbücher, Lexika und dergleichen größere, langsam, aber gewiß sich verkaufende Werke machen eigentlich seinen Verlag aus.« Das Frommann’sche Haus entwickelt sich in den folgenden Jahren zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt in Jena.
1799
Carl Friedrich Ernst Frommann erhält das Privileg zur Eröffnung einer Druckerei zusammen mit seinem Schwager Johann Carl Wesselhöft.
1825
Carl Friedrich Ernst Frommann nimmt seinen Sohn Friedrich Johannes (1797-1886), der u.a. bei Friedrich Perthes in Hamburg gelernt hat, in die Verlagsgeschäfte auf. Friedrich Frommann macht sich um das buchhändlerische Vereinsleben in Deutschland verdient; durch seine langjährige Tätigkeit im Börsenverein (in den Jahren 1841-43, 1847-49, 1862-64 war er erster Vorsitzender im Vorstand des Börsenvereins) hat er entscheidenden Anteil an der Entwicklung des Zensur- und Urheberrechts (Denkschriften über Die literarischen Rechtsverhältnisse in Deutschland 1841, Zensur- und Pressfreiheit in Deutschland 1842).
1830
Friedrich Johannes Frommann übernimmt Verlag, Druckerei und Sortiment in alleiniger Regie.
1878
Das Sortiment wird an Paul Mattaei abgegeben; in den folgenden Jahren wechselt es mehrfach den Besitzer.
1886
Da nach dem Tod Friedrich Johannes Frommanns keiner seiner Söhne das Verlagsgeschäft übernehmen will, wird der Verlag an Emil Hauff (1849-1927) verkauft, der den Geschäftssitz nach Stuttgart verlegt. Firmierung: Fr. Frommanns Verlag (E. Hauff).
1920
Hermann Kurtz (1883-1964) übernimmt den Verlag; Firmierung: Fr. Frommanns Verlag (H. Kurtz).
1934
Der Verlag geht in den Besitz des langjährigen Prokuristen Wilhelm Kohlstädt (1887-1955) über.
1943
Die Geschäftsräume sowie das Fertiglager des Stuttgarter Verlags werden bei einem Luftangriff völlig zerstört.
1955
Günther Holzboog (1927–2006) übernimmt den Verlag von Wilhelm Kohlstädt und baut zusammen mit seiner Frau, Eva Holzboog, in den folgenden Jahren den traditionsreichen Wissenschaftsverlag wieder auf; der Verlagsort ist seitdem Stuttgart-Bad Cannstatt; als neue Schwerpunkte kommen historisch-kritische Gesamtausgaben, lexikographische Hilfsmittel und Bibliographien unterschiedlichster Art hinzu. Firmierung: Friedrich Frommann Verlag – Günther Holzboog.
1995
nach seiner Lehre als Verlagsbuchhändler und dem Studium der Philosophie und Kunstgeschichte tritt Eckhart Holzboog (geb. 1961) in den Verlag ein.
1998
Günther Holzboog erhält aufgrund seiner herausragenden verlegerischen Leistungen im Bereich geisteswissenschaftlicher Publikationen das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland.
1999
Eckhart Holzboog übernimmt zusammen mit Sybille Wittmann die Geschäftsleitung.
2006
Nach Günther Holzboogs Tod ist Eckhart Holzboog Verleger des Unternehmens, das seitdem als frommann-holzboog e.K. firmiert.
© frommann-holzboog Verlag e.K. 2017