Juan Ginés de Sepúlveda

Juan Ginés de Sepúlveda wurde 1490 in Andalusien geboren. Nach Studien der Philosophie und Theologie in Alcalá wurde er Stipendiatdes Spanischen Kollegs in Bologna. Dort traf er auf führende Köpfe des italienischen Renaissancehumanismus, so etwa Papst Clemens VII., der ihn nach Rom holte. Sepúlveda machte sich einen Namen als exzellenter Kenner des Griechischen und galt als einer der besten Aristotelesinterpreten seiner Zeit. Kaiser Karl V. berief ihn aus Rom nach Spanien zurück und bestellte ihn zum Erzieher des Kronprinzen und zum Hofchronisten.

Auch in Spanien blieb Sepúlveda wissenschaftlich umtriebig. Doch eines seiner Themen wurde ihm zum Verhängnis: In der Frage, ob die Eroberung der Neuen Welt und die Behandlung der Indios durch die spanischen Eroberer moralisch gerechtfertigt oder zumindest rechtens sei, äußerte sich Sepúlveda in seiner Schrift ›Democrates secundus‹: Mit der indigenen Bevölkerung seien Menschen von der Art gefunden, die Aristoteles in seiner Politik als »Sklaven von Natur aus« definiert hätte. Sie müssten also ihrem Wesen gemäß unterworfen und despotisch regiert werden, und dies müsse auch die Politik der Spanischen Krone sein. Die Gegner dieser Ansicht um Bartolomé de las Casas verhinderten, dass der ›Democrates secundus‹ die Druckerlaubnis bekam. 1550 kam es dann zur direkten Konfrontation auf großer Bühne: Der Kaiser berief die beiden Kontrahenten vor den Königlichen Indienrat, um den Ratsmitgliedern Orientierung für die Ent-scheidung der Frage geben, wie bezüglich der Conquista zu verfahren sei. Sepúlveda konnte sich in diesem »Großen Disput von Valladolid« nicht durchsetzen. Der Indienrat gab zwar kein offizielles Votum ab, aber Sepúlveda blieb das Veröffentlichungsprivileg verwehrt und er musste zusehen, wie seine Gegner an öffentlichem Einfluss gewannen und bei Hofe verstärkt Gehör fanden.

Sepúlveda bestand Zeit seines Lebens auf seiner in der Kontroverse von Valladolid geäußerten Auffassung. Doch ist deutlich, dass er seitdem immer mehr an Bedeutung verlor und schon zu seinen Lebzeiten zeichnete sich ab, dass seine Rolle im Großen Disput seine anderen Lebensleistungen verdunkelt hatte. Er konzentrierte sich zusehends auf sein Amt als Hofchronist, mit dem er in seinem Selbstverständnisals »philosophe engagé« aber nicht wirklich zufrieden war, und bat schließlich darum, sich in seine andalusische Heimat zurückziehen zu dürfen. Dort arbeitete er, am Ende sehr hinfällig und fast gänzlich erblindet, noch an seinen historischen Chroniken, bis er 1573 starb.

Werke von oder mit Juan Ginés de Sepúlveda:


Umschlagfoto – nicht vorhanden

Alexander von Aphrodisias: Commentaria in duodecim Aristotelis libros de prima philosophia

Neudruck der Ausgabe Rom 1527.

Mit einer Einleitung von Jorge Uscatescu Barrón.
CAGL 16,1-2
Ca. 2 Bände
Leinen
ISBN 978-3-7728-2875-1
Februar 2020
Ca. € 686,–

Umschlagfoto

Juan Ginés de Sepúlveda: Democrates secundus. Zweiter Demokrates

Herausgegeben und eingeleitet und ins Deutsche übersetzt von Christian Schäfer.
PPR I,11
2018
LXXIV, 266 S.
Leinen
ISBN 978-3-7728-2700-6
Lieferbar
€ 168,–
© frommann-holzboog Verlag e.K. 2018