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Maria die Himmels-Thür

ELFN 1
Ca. 480 S.
Broschur
Deutsch
Latein
ISBN 978-3-7728-2861-4
September 2018
Einzelpreis:
ca. € 248,–

Ein anonymes Theophilus-Drama aufgeführt 1655 bei den Straubinger Jesuiten.

Herausgegeben von André Schnyder.
In Zusammenarbeit mit Andreas Ammann.

Wohl im 8. Jahrhundert entsteht im östlichen Teil einer noch ungeteilten Christenheit die Geschichte von Theophilus; im darauf folgenden Jahrhundert wird das griechische Original vermutlich in Neapel ins Lateinische übersetzt. Damit kann die Erzählung vom Pakt des frommen Bistumsverwalters aus Adana mit dem Teufel und von der Rettung des Reumütigen auch im Abendland aufgenommen werden. Dies geschieht vorab weiterhin in lateinischen Texten, doch vom 12. Jh. an begegnen Bearbeitungen des Stoffs in den Volkssprachen der Romania und der Germania; bis ins frühe 16. Jh. lassen sich heute noch rund 100 solcher Bearbeitungen in lateinischer, französischer, italienischer, spanischer, deutscher, englischer, altnordischer Sprache beibringen. Der sprachlichen Vielfalt entspricht auch eine gattungsmäßige Breite in Form von Prosa und Vers, von Kurzepos, Predigt, Predigtexempel, Lyrik, Drama. Theophilus – das 19. Jh. wird ihm den Beinamen »Faust des Mittelalters« verleihen – ist trotz seiner Bekehrung kein Heiliger; weil er seine Rettung jedoch dem Eingreifen Marias verdankt, wird die seit etwa 1000 im Abendland sich intensivierende Marienverehrung zu einem wichtigen Faktor bei der Verbreitung seiner Geschichte. Und genau dieser Faktor wirkt sich seit dem 16. Jh. in den reformierten Gebieten angesichts der neugläubigen Absage an den Marienkult fortan als Hemmnis aus. Dazu mochte kommen, dass mit dem anonymen deutschen Faustbuch von 1587 sich im kollektiven Bewusstsein ein etwas anderer Typus des Teufelsbündners festgesetzt hatte. Einzig im lateinisch und übernational geprägten Raum der jesuitischen Theaterkultur lebte der Stoff bis ins 18. Jh. weiter; so ist heute für den Zeitraum von 1582 bis 1737 die Aufführung von mindestens 31 Theophilus-Dramen belegt. Zu einigen dieser Stücke besitzen wir heute noch den Text und einige wenige sind ediert, ganz selten ist ein zeitgenössischer Druck vorhanden. Die hier vorgelegte Ausgabe stellt erstmals den unikal und nur handschriftlich tradierten Text eines 1655 in Straubing aufgeführten Dramas der literaturwissenschaftlichen, theaterhistorischen, motiv-, stoff- und frömmigkeitsgeschichtlichen Forschung zur Verfügung. Der Abdruck der deut-schen Perioche, die zum lateinischen Originaltext parallel gesetzte Übersetzung, ein dichter sprach- und sachbezogener Stellenkommentar, eine Überschau der Stoffrezeption bis ins 17. Jahrhundert eröffnen neben einem Abriss zur jesuitisch geprägten Theatergeschichte Straubings und einer Text-interpretation einer Leserschaft aus unterschiedlichen Disziplinen adäquate Zugänge zum Text.

Alle Bände

  • Maria die Himmels-Thür – September 2018
© frommann-holzboog Verlag e.K. 2018