Karl Christian Friedrich Krause

Philosoph,
* 7.5.1781 Eisenberg (Thüringen),
† 27.9.1832 München. (lutherisch)

Der körperlich schwächliche, geistig und musisch frühreife K. wird von seinem Vater auf das Gymnasium vorbereitet. Er erhält einen gediegenen Musikunterricht. 1791-94 besucht K. die Klosterschule in Donndorf, 1794/95 das Gymnasium in Eisenberg und 1795-97 das Gymnasium in Altenburg. 1797-1800 studiert er in Jena Theologie und Mathematik, vor allem aber Philosophie bei Fichte und Schelling. Im WS 1801/02 erwirbt er den philosophischen Doktorgrad mit der Schrift ›De philosophiae et matheseos notione et earum intima coniunctione‹, in der er sich bemüht, »alle Wissenschaften in einem Systeme, von dem einzigen wahren Grundsatze der Philosophie aus, nach organischen Gesetzen zu konstruieren«. Trotz dreifacher Habilitation (Jena 1802, Berlin 1814, Göttingen 1824) gelingt es K. nicht, eine Professur zu erlangen. Als Privatgelehrter und freier Schriftsteller lebt er in kargen Verhältnissen. 1802-04 liest er als Privatdozent in Jena über Naturrecht, Naturphilosophie, Mathematik und Logik. Sein eigentliches philosophisches Interesse gilt jedoch dem Verhältnis der Philosophie zur Kunst.

1804/05 finden wir ihn in Rudolstadt. Hier reift die Idee vom »wahren Philosophen«: Zum Philosophen müsse auch der Künstler hinzukommen, Denken und Anschauen, Geist und Phantasie müßten sich wechselseitig ergänzen. 1805-13 lebt K. in Dresden, wo er als Lehrer an der Ingenieurakademie tätig ist. In diesen Jahren vollzieht sich eine Hinwendung zum Kunstideal des klassischen Altertums. 1805 tritt er in eine Freimaurerloge ein. Aus der Verbindung mit den Freimaurern erwächst der Gedanke des »Menschheitsbundes«, wonach die irdische Menschheit ein organisches Glied der einen in Gott lebenden Menschheit sei (Das Urbild der Menschheit, 1811). 1813 übersiedelt er nach Berlin und habilitiert sich in der Hoffnung, Nachfolger Fichtes zu werden. Als ihm dies nicht gelingt, kehrt er 1815 nach Dresden zurück.

Im Sommer 1817 unternimmt K. als Begleiter eines Dresdner Kaufmanns und Kunstfreundes eine sechsmonatige Kunst- und Studienreise nach Italien und Frankreich. In Rom lernt er durch den Komponisten N. A. Zingarelli die musikalischen Schätze der Sixtinischen Kapelle kennen, in Neapel befaßt er sich mit den neueren Meistern der italienisch[en] Oper, in Paris macht er sich mit den Lehrmethoden des Konservatoriums vertraut. Überall studiert er die Kunstwerke der Malerei und Plastik. Seit 1823 lebt K. in Göttingen, wo er nach seiner dritten Habilitation als Privatdozent liest. 1828 hofft er, Nachfolger Bouterweks zu werden, doch nicht er, sondern sein Freund Wendt erhält die Professur. 1831 muß er die Stadt verlassen, da er der Kollaboration mit dem Pariser Revolutionskomitee verdächtigt wird. K. geht nach München, wo ihn Ludwig I. und Franz von Baader fördern. Eine Professur wird jedoch 1832 durch Schelling verhindert. Arm und einsam stirbt er im selben Jahr.

Das umfangreiche Werk K.s ist zum größten Teil aus privat gehaltenen Vorlesungen hervorgegangen. Platon wie Aristoteles, Plotin wie Augustinus, Thomas von Aquin wie Duns Scotus zählt K. zu den Vorbildern seines Denkens. Er selbst sieht sich in der Tradition der »philosophia perennis«, für die nicht das Denken das Sein, sondern das Sein das Denken bestimmt. »Die Philosophie wird gesucht lediglich um der Wahrheit willen; wahr aber ist die Erkenntnis, welche mit dem Sein selbst übereinstimmt.« […] Die Methode seines Philosophierens ist gekennzeichnet durch einen zweifachen »Lehrgang«: die a-posteriorische Induktion (synthetischer Lehrgang) und die a-priorische Deduktion (analytischer Lehrgang). Diese Unterscheidung hat nach K. einen objektiven Grund »am Erkannten« und einen subjektiven Grund »an der Erkenntnis«. Erst in der Einheit beider Denkwege (Lehrgänge) könne die eine Wahrheit als »Übereinstimmung des Denkens mit der Natur der Dinge« gefunden werden. Durch diese realistische Konzeption unterscheidet sich K. grundlegend vom Idealismus Kants, Fichtes, Schellings und Hegels. Die gelegentliche Behauptung, er setze die Kantische Philosophie fort, ist unrichtig. Vielmehr will K. den transzendentalen Subjektivismus Kants und der ihm folgenden idealistischen Systeme überwinden.[…] Mehr noch als im deutschsprachigen Raum, in Belgien und Frankreich hat sich die Philosophie K.s in Spanien (Madrid, Sevilla) ungemein stark verbreitet. Es wird sogar behauptet, kein anderer deutscher Denker habe bei den Spaniern mehr Widerhall gefunden als K. (Flasche). Zu den Hauptvertretern des »krausismo español« gehören Sanz del Rio und Ginér de los Rios. […]

Werke von oder mit Karl Christian Friedrich Krause:

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