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Bernard Bolzano: Band II,A,23,1: Erbauungsreden des Studienjahres 1817/1818. Erster Teil

2015
177 S., 18,1 x 25,4 cm.
Leinen
Deutsch
ISBN 978-3-7728-2321-3
Lieferbar
Einzelpreis:
€ 268,–
Herausgegeben von Kurt F. Strasser.

Als Inhaber der Lehrkanzel für katholische Religionslehre an der Universität Prag hatte Bolzano neben seinen Vorlesungen an allen Sonntagen während der Vorlesungszeiten auch ›Exhortationen‹ bzw. ›Erbauungsreden‹ zu halten. Der Besuch der Erbauungsreden war für sämtliche Hörer aller drei Jahrgänge der ›philosophischen Studien‹, die alle Studenten als Vorbereitung auf ihr Fachstudium (in Medizin, Rechtswissenschaften oder Theologie) zu absolvieren hatten, obligatorisch. Das erklärt den enormen Einfluss von Bolzanos Erbauungsreden auf das damalige Geistesleben in Böhmen. – Alle 582 derzeit nachweisbaren Erbauungsreden werden in chronologischer Reihenfolge beschrieben; die davon erhaltenen 414 Erbauungsreden werden nach der jeweils besten (d.h. die höchste Authentizität garantierenden) Vorlage textkritisch ediert. – Fragen der Religion und der Moral stehen in den Erbauungsreden im Vordergrund. Bolzano geht aber auch immer wieder auf praktische Fragen der Standes- und Berufsethik sowie auf staatsphilosophische und – zum Teil brisante – politische Themen ein. Bolzanos Erbauungsreden enthalten wertvolle Ergänzungen und Konkretisierungen zu vielen Lehren, die er in seinen theologischen und philosophischen Schriften systematisch behandelt hat.

Am dritten Sonntag im November 1817 beginnt Bernard Bolzano den nunmehr zwölften Jahreszyklus seiner Erbauungsreden. In diesem Studienjahr geht es zunächst um die Verantwortung der Studierenden gegenüber ihren Eltern und Lehrern, aber auch gegenüber dem anderen (nämlich dem weiblichen) Geschlecht und der menschlichen Gesellschaft insgesamt. Der Tugend der »Uneigennützigkeit« gilt dabei (in 4 Reden) seine besondere Aufmerksamkeit. Ebenso wichtig ist Bolzano auch die vernünftige Begründung der christlichen Religion, die über die natürliche Religion insofern hinausgeht, als sie durch Vernunft nicht restlos erklärbar ist. Die Grenze zwischen natürlicher und christlicher Religion wird von Bolzano immer wieder neu abgesteckt und hinausgeschoben im ständigen Bemühen, sie schließlich präzise zu ziehen. Bolzanos Versuch, Glaube und Vernunft miteinander zu verbinden, endet in einem Balanceakt. Dieser wird zwar von manchen bewundert, von vielen Seiten aber argwöhnisch betrachtet, missverstanden und zunehmend auch offen abgelehnt. Nicht zuletzt deshalb spricht Bolzano dann auch über »Vorteile und Gefahren bei der Beschäftigung mit Idealen« und entwirft klare Regeln zur Bildung und Anwendung von Ideen. Über all diese Schwierigkeiten hinaus bemüht sich Bolzano darum, durch die Entwicklung des »Sinnes für das Schöne« einen Blick in eine bessere Welt zu gewinnen.

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