Abraham von Franckenberg

Mystiker,
* 24.6.1593 Ludwigsdorf bei Oels,
† 25.6.1652 Ludwigsdorf bei Oels. (evangelisch)

Enttäuscht von der orthodoxen Theologie, erlebte F. nach langen Zweifeln 1617 im Gebet eine Vision und erkannte die mystische Frömmigkeit als den wahren Weg. Er brach sein (juristisches ?) Studium ab und schloß sich nach der Lektüre von Mystikern (unter anderem Tauler, Thomas a Kempis, Schwenkfeld, Weigel) besonders an Jakob Böhme an, den er 1623 kennenlernte, dessen Leben er zweimal beschrieb (zuletzt 1651) und mit dem er die Liebe zu naturphilosophischer Spekulation (Alchimie, Kabbala, Zahlensymbolik) gemein hat.

F. lehnte Ehe und Besitz ab, überließ das Gut nach dem Tod des Vaters 1636 dem jüngeren Bruder Balthasar und lebte zurückgezogen bis auf das Pestjahr 1634, in dem er Kranke behandelte. Ein von ihm ersonnener »Lebensbalsam« wurde noch im 18. Jahrhundert in Berliner Apotheken geführt.
1639 schrieb er ›Raphael der Arzt-Engel‹. Es handelt sich um eine mystische Pathologie; durch die Bosheit der Schlange wird die von Gott eingegebene Seele vergiftet und der »Canal des göttlichen Gedächtnisses« verstopft; daraus entsteht eine Zweiteilung des Willens und intoxiert den Lebensbalsam. F. benutzt die iatrochemischen Vorstellungen des Barock für seine bildhafte Krankheitsvorstellung. Am Schluß folgt eine theologische Diätetik und eine Schilderung magischer Kuren. F. steht in der Tradition des Paracelsus, Agrippa, Turneysser und des Pico della Mirandola.

Nach Ablehnung von Beichte und Abendmahl in eine schriftliche Fehde mit dem Oelser Hofprediger Georg Seidel verwickelt (1640), ging er 1641 nach Danzig, wo er bei dem Astronomen Johann Hevelius lebte, Anhänger des kopernikanischen Systems wurde und (als einer der ersten in Deutschland) die Gedanken Giordano Brunos aufnahm (Oculus siderius, 1643). 1649 nach Ludwigsdorf zurückgekehrt, verkehrte er vor allem mit Johann Scheffler (Angelus Silesius), dem er seine wertvolle Bibliothek vermachte und der nach seinem Tode ein ›Ehrengedächtnis‹ für ihn verfaßte.

Obwohl er sich als über den Konfessionen stehend ansah, gehörte F. zeitlebens der lutherischen Kirche an, deren Rechtfertigungslehre er zumindest seit 1634 ablehnte, da sie nicht zu bußfertigem Leben und zur Heiligung anleitet. F. hielt an der unbedingten Verbindlichkeit der Heiligen Schrift fest und begründete seine Anschauungen aus ihr, zum Beispiel die weiterwirkende Offenbarung Gottes mit Epheser 1,17; Philipper 3,15. Seine zahlreichen, noch lange nach seinem Tode gelesenen Schriften zeigen ihn als einen mehr reproduzierenden als produktiven Geist. Seine Leitsprüche waren Jesus mea nobilitas und Mihi sufficit unum.

Werke von oder mit Abraham von Franckenberg:


Einzelausgaben

Umschlagfoto

Abraham von Franckenberg: Briefwechsel

Eingeleitet und herausgegeben von Joachim Telle.
1995
437 S.
Leinen
ISBN 978-3-7728-1666-6
Lieferbar
€ 94,–
© frommann-holzboog Verlag e.K. 2018