Augustinus

Geb. am 13.11.354 in Thagaste, damals in der römischen Provinz Numidia, heute Suk Arras in Algerien, gestorben am 28.8.430 in Hippo Regius.

Sein Vater Patricius, ein einflußreiches Ratsmitglied, schickte ihn mit 16 Jahren nach Karthago, wo er seine Ausbildung fortsetzen sollte, die er in einer Grammatikschule seiner Heimatstadt begonnen hatte. Nach einem 4-jährigem Rhetorikstudium wandte er sich dem Manichäismus zu, dem er etwa bis 382 anhing, als der Bruch dadurch eingeleitet wurde, daß der manichäische Bischof Faustus auf seine skeptischen Fragen keine befriedigenden Antworten fand. Er verließ zu dieser Zeit Karthago, um nach Rom zu gehen und wurde schließlich in Mailand Rhetoriklehrer.

Dort brachte ihm Ambrosius das Christentum näher, zu dem ihn bereits seine Mutter Monnica bekehren wollte, die nach seinen Confessiones einen starken Einfluß auf ihn hatte. Berühmt ist die Darstellung seiner Bekehrung. Zusammen mit seinem Freund Alypius hörte er in einem Garten des benachbarten Hauses die Worte »tolle, lege«, die er als göttliche Aufforderung verstand, die Hl. Schrift aufzuschlagen und zu lesen. Nach einem Aufenthalt in Cassisiacum in der Nähe des Comer Sees, kehrte er schließlich nach Nordafrika zurück, wo er nach anfänglich zurückgezogener Lebensweise, sich 391 von der christlichen Gemeinde in Hippus Regius überreden ließ, das Amt eines Presbyters anzunehmen.

Es folgten theologische Auseinandersetzungen mit den Manichäern und den Donatisten. Als 410 die Goten unter Alarich Rom einnahmen, galt es sich dem Vorwurf zu stellen, die Abkehr vom alten, paganen Glauben sei der Grund dafür. Auch die Rolle Roms, das nach Eusebios und anderen die Heilsbotschaft mitverwirklichen sollte, musste neu bestimmt werden. In diesem Zusammenhang verfasste Augustinus De Civitate Dei, eine Geschichtstheologie, in der die Geschichte auf die Eckpunkte Paradies und göttliches Gericht bezogen wird. Bedeutsam ist ebenfalls die Kontroverse mit den Pelagianern, in der die folgenreichen Ideen der selbstverschuldeten Unfreiheit des menschlichen Willens und der Erbsünde entstanden. In Augustinus letzten Lebensjahren wirkt sich die Völkerwanderung auch in Nordafrika aus. Die römische Ordnung in dieser Region hält dem Ansturm nicht stand. Bei der einjährigen Belagerung von Hippo stirbt der Kirchenvater im Jahr 430 n. Chr.

Werke von oder mit Augustinus:


Umschlagfoto

Augustinus: ›Über Schau und Gegenwart des unsichtbaren Gottes‹

Texte mit Einführung und Übersetzung von Erich Naab.
MyGG I,14
1998
VII, 296 S.
Leinen
ISBN 978-3-7728-1934-6
Lieferbar
€ 62,–
© frommann-holzboog Verlag e.K. 2018