Friedrich Bouterwek

Philosoph, Literarhistoriker und Schriftsteller, * 15.4.1766 Oker (Harz), † 9.8.1828 Göttingen. (evangelisch)

Genealogie

V Friedrich Ferdinand Butterweck (1711–90), Leiter des Berg- und Hüttenwerks zu Oker, aus Northeimer Ratsgeschlecht (ursprünglich Botterwegge), das als kaufmännisches Unternehmer- und Beamtengeschlecht nach Clausthal kam; ⚭ Weende bei Göttingen 1806 Sophie Julie (1772–1826), T des Oberamtmanns und Landesökonomierats Christian Friedrich Gotthard Westfeld in Westfalen und der Marie Marg. Richter; 2 S, 3 T; N Friedrich Bouterweck (1806–67), Historienmaler in Paris, Karl Wilhelm Bouterweck (1809–68), seit 1844 Rektor des Gymnasiums in Elberfeld, Philologe (Altsächsisch).

Leben

In Göttingen studierte B. Rechtswissenschaft, zugleich aber Philologie bei Chr. Gottlob Heyne und Philosophie bei Johann G. Heinrich Feder. Im Verkehr mit literarisch interessierten Freunden und unter dem Einfluß Schillers und Rousseaus wandte er sich der Schriftstellerei zu; seine Gedichte wurden in Bürgers Musenalmanach veröffentlicht, seine Romane (vor allem »Graf Donamar«, 3 Bde., Göttingen 1791–93) stark beachtet. B. war zunächst am Ober-Appellationsgericht in Hannover tätig. Durch Gleims Empfehlungen fand er Eingang in Berliner literarische Kreise. 1789 ließ er sich als Privatdozent in Göttingen nieder und las dort zunächst über Allgemeine Geschichte, dann über die Philosophie Kants, mit dem er auch persönlich in Beziehungen trat. 1796 wurde er als Nachfolger Feders Professor der Beredsamkeit. – Seine »Geschichte der Poesie und Beredsamkeit seit dem Ende des 13. Jahrhunderts« (12 Bde., 1801–19) kann als eine der letzten universalen Leistungen auf dem Gebiet der Literaturgeschichte gelten. Seine vielseitigen Studien, sein feines literarisches Verständnis und seine eminente Sprachbegabung befähigten B. zu diesem einzigartigen Werk, in dem fast sämtliche europäischen Literaturen behandelt sind. Die Literaturgeschichte Spaniens wurde in spanischer Übersetzung veröffentlicht.
Als Philosoph wirkte B. am stärksten durch seine in jedem Wintersemester gehaltenen Vorlesungen über Ästhetik, die jeder Göttinger Student einmal zu hören pflegte. In der Auseinandersetzung mit Kant und Spinoza vertrat er einen »gemäßigten Rationalismus« und bemühte sich um die Begründung eines philosophischen Realismus. Daraus wurde später, vor allem unter dem Einfluß Fr. Heinrich Jacobis, mit dem er persönlich befreundet war, das System des »Virtualismus«, nach dem wir uns als wollende Wesen zu erfassen und auch die Dinge außer uns als solche anzusehen haben. Mit dieser Lehre scheint B. auf Schopenhauer gewirkt zu haben, der in Göttingen sein Hörer war.

© frommann-holzboog Verlag e.K. 2017