Wolfgang-Loch-Vorlesungen

Über Nachträglichkeit (29. Oktober 2004)

Nachträglichkeit verleiht der Erinnerung, nicht dem Ereignis traumatische Bedeutung und meint eine zirkuläre Komplementarität beider zeitlicher Richtungen. Von Freud bereits 1895 im Entwurf einer Psychologie konzipiert, bleibt das Konzept in seinem Werk zwar ohne offiziellen Status, aber durch den Charakter der Zweizeitigkeit und der Latenz zum Verständnis zeitlicher Zusammenhänge und psychischer Kausalität unverzichtbar und als implizites Prinzip mit

Der Funktionskreis der angeborenen Antizipationen (17. Oktober 2014)

Einige Elemente des Funktionskreises angeborener Antizipationen werden untersucht, um die Gültigkeit des psychoanalytischen Affektgesetzes zu prüfen, dass jedes Gefühl die Folge einer (logisch und zeitlich) vorauslaufenden bewussten oder unbewussten Beurteilung der relationalen Situation sei. Zu den untersuchten Antizipationen gehören Freuds Aufmerksamkeit, Bions Präkonzeptionen, Vorahnungen, Betaelemente des Denkens und Fühlens, projektive

Überlegungen zur Krankheitslehre der Psychoanalyse – heute (18. Oktober 2013)

Die Krankheitslehre der Psychoanalyse ist der Titel des Lehrbuchs, konzipiert und herausgegeben von Wolfgang Loch, das Generationen von deutschen Psychoanalytikern, nicht nur während ihrer Ausbildung, begleitet hat. Diese Arbeit befragt das dort niedergelegte Krankheitsverständnis nach seiner Aktualität für die Psychoanalyse heute und nach seiner Relevanz für das aktuelle Gesundheitswesen.

Psychoanalyse und Literatur (19. Oktober 2012)

Nach einem historischen Rückblick auf die Zeit von Sigmund Freuds Mittwoch- Gesellschaft wird der Weg nachgezeichnet, den die Literaturanalyse seither zurückgelegt hat, wobei sich der Schwerpunkt des Interesses von der Genieforschung immer stärker auf die Erforschung der Kreativität verlagert hat. In einem zweiten Teil werden vier Interpretationsmodelle beschrieben, die auf Sigmund Freud zurückgehen. In diesem Abschnitt wird auch die Frage erörtert, wie

Psychische Strukturbildung und Mythos im Denken von Freud, Bion und Wolfgang Loch (07. Oktober 2011)

Als Freud nach dem Tod seines Vaters auf die Bedeutung der infantilen Phantasien über Inzest- und Todeswünsche gegenüber den Eltern stieß und im Ödipus- Mythos eine alte Gestaltung dieser unbewußten Konflikte erkannte, hat er mit der Formulierung des Ödipuskomplexes den Mythos als Kategorie in die Psychoanalyse und die Geisteswissenschaften eingeführt. Die großen Mythen beschreiben ein Frühgeschehen aus der Ontogenese der Seele, das wir in der Psychogenese

Die Verleugnung der Realität (16. Oktober 2009)

Die Verleugnung hat für die Ich-Funktionen und für die Konstitution des gesamten Ich eine große Bedeutung, aber in Fallberichten und theoretischen Abhandlungen findet man wenig davon. Der Grund dürfte darin liegen, daß mit der Frage nach der Verleugnung zwei weitere Fragen ins Spiel kommen: die Frage nach der Realität und die Frage nach der Wahrheit. Nach der Korrespondenztheorie ist die Wahrheit die Übereinstimmung mit der Realität. Nach

Optionale Deutung – Aktuale Deutung (17. Oktober 2008)

Der optionale Charakter jeder Deutung ist theoretisch geboten, auch als Konsequenz aus der grundlegenden konstruktivistischen Verfaßtheit der Psychoanalyse, die, wie von Wolfgang Loch überzeugend entfaltet, bereits bei Freud durchgängig angelegt ist. Das Ergänzungsstück einer aktualen Deutung ergab sich für mich aus der Kontroverse zwischen dem Gesichtspunkt, daß erstens der Analytiker, bevor er eine Deutung gibt, wenigsten vier bis fünf weitere zur Verfügung

Deutung und Wahrheit (19. Oktober 2007)

Die Frage nach der Wahrheit, verstanden als Übereinstimmung von Begriff und Gegenstand bzw. von Aussage und Sachverhalt, ist offensichtlich die Grundfrage der europäischen Philosophie. Eine Aussage bzw. eine Zeichensequenz muß jedoch hinreichend deutlich sein, um als wahr oder falsch beurteilt werden zu können. Soweit das unter den beteiligten Personen nicht oder noch nicht hinreichend der Fall ist, wird nach der Bedeutung des betreffenden Ausdrucks gefragt,

Die Macht des Unbewußten: beschrieben und inszeniert, verdeckt und enthüllt in Freuds *Traumdeutung* und in ausgewählten Briefen an Fließ (14. Oktober 2005)

Im Laufe der Entstehung der Traumdeutung hat Freud wiederholt auf die Schwierigkeit verwiesen, vom Offenbaren persönlichen Materials gegenüber den Lesern Abstand nehmen zu müssen. Bei einer Reihe von Gelegenheiten zitierte er in diesem Zusammenhang aus Goethes Faust »Das Beste, was Du wissen kannst, darfst Du den Buben doch nicht sagen«. Genaue Lektüre der Passagen seines Traumbuchs und der Briefe an Fließ, in denen das Zitat auftaucht,

Was ist mit dem Vater? (18. Oktober 2002)

Die Autorin gibt der manchmal bei bestimmten Mördern agierten Phantasie einer Zerstückelung des Körpers eine zentrale Bedeutung. Die wichtigsten Beispiele sind philosophischen und literarischen Texten Michel Foucaults, Yukio Mishimas und Pier Paolo Pasolinis und zum Teil deren Biographie entnommen. In einer Nebenbemerkung wird »Plötzlich letzten Sommer« von Tennessee Williams erwähnt. Bei der Untersuchung dieses Materials stellt sich heraus, daß es sich bei

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