Jahrbuch der Psychoanalyse: Band 73: Fall und Form. Zur Ästhetik der Falldarstellung

Umschlagfoto
2016
244 S., 14,7 x 20,8 cm.
Broschur
Deutsch
ISBN 978-3-7728-2073-1
Lieferbar
Einzelpreis:
€ 58,–
Vorzugspreis für Mitglieder der IPV und deren Zweige, der DPG und DGPT:
€ 48,–
Vorzugspreis für Studierende und AusbildungskandidatInnen (gegen Vorlage einer Bescheinigung):
€ 29,–
ebook-icon
eISBN 9783772831737
€ 58,–

Die Falldarstellung ist nach wie vor die gebräuchlichste Form, in der Psychoanalytiker von ihren Behandlungen Rechenschaft ablegen und sie zur Diskussion stellen. Band 73 des Jahrbuchs der Psychoanalyse beleuchtet die ästhetischen Aspekte der psychoanalytischen Falldarstellung. Mit welchen Mitteln verwandelt ein Analytiker/Autor die mit dem Analysanden erlebte, gedeutete, mit Kollegen besprochene, durch Lektüre angereicherte, vielfach durchdachte Dynamik der analytischen Begegnung in einen Text? Der präsentierte Fall ist niemals nur Dokumentation, er ist immer auch Konstruktion und Fiktion. Anhand von Materialien wird ein Zusammenhang, ein Prozess, ein Verlauf konstruiert, der verschiedenen Mustern folgen kann (z.B. »Entwicklung«, »Oszillieren«, »Wendepunkte«). Welche Rolle spielen dabei das Erzählen und das Verdichten? Wie wird die Zeitstruktur organisiert? Werden wörtliche Stundenprotokolle, typische oder einmalige Sequenzen des Behandlungsverlaufs ausgewählt? Nicht zuletzt offenbart sich in diesen unterschiedlichen Formen auch, wie der Behandler die Behandlung konzeptualisiert, welche expliziten und impliziten Theorien er verwendet.

Inhalt:

Themenschwerpunkt:

  • Charles Mendes de Leon: Die psychoanalytische Fallgeschichte – ein Fragment
  • Sebastian Leikert: Im Geäder der Worte, Transfusion einer sensiblen Substanz – Zur Struktur und Funktion ästhetischer Mechanismen im psychoanalytischen Fallbericht
  • Rolf-Peter Warsitz: »Die freie Assoziation ist nicht nur eine Erzählung« – Über einige Formen des Sprechens in der Psychoanalyse
  • Susann Heenen-Wolff: Viel Dichtung – wieviel Wahrheit? Die Falldarstellung als Mutmaßung

Klinik der Psychoanalyse:

  • Bernd Nissen: Melancholie und Zusammenbruch – Eine Neubetrachtung von Freuds »Trauer und Melancholie«

Theorie der Psychoanalyse:

  • Stefan Wolf: Scheitern und Gelingen – Psychoanalyse als kreativer Prozess

Geschichte der Psychoanalyse:

  • Wolfgang Hegener: Freud, ein hellenischer Heide und atheistischer Aufklärer? Oder: Wie jüdisch ist die Psychoanalyse? Ein Beitrag zur Fortführung einer Debatte

Wolfgang-Loch-Vorlesung:

  • Elfriede Löchel: »Triebe und Objekte« neu gelesen – Eine textkritische Auseinandersetzung mit einem Aufsatz Wolfgang Lochs aus dem Jahre 1981.

Rezensionen

Achim Würker, Freiburger literaturpsychologische Gespräche. Jahrbuch für Literatur und Psychoanalyse

»Den Herausgeberinnen und Herausgebern ist es gelungen, gut lesbare, in sich schlüssige Aufsätze zu versammeln, die den Blick auf Fallschilderungen und ihren Gegenstand, den psychoanalytischen Prozess, schärfen. Die Autorinnen und Autoren sensibilisieren für die Eigentümlichkeit der Psychoanalyse bezüglich Erkenntnisgewinnung und Theoriebildung sowie der Fallschilderungen als der zentralen Gelenkstelle. Dies geschieht keinesfalls in uniformer Einheitlichkeit, sondern facettenreich bis hin zu widersprüchlichen Positionierungen im Hinblick auf die Gewichtung künstlerischer Aspekte von Fallgeschichten. Dass in diesem Zusammenhang – besonders von Wolf – Einsichten in das Wesen von Kreativität ermöglicht werden, steigert die Attraktivität dieses lesenswerten Jahrbuchs.«

Achim Würker,
Freiburger literaturpsychologische Gespräche. Jahrbuch für Literatur und Psychoanalyse

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